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Andreas Schulz
Psychodrama-Therapeut

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Sie finden auf den folgenden Seiten Psychodramatische Szenen, Vignetten und Skulpturvorschläge für Gruppen mit Paaren und Familien.

Meditatives Wandern durch die Beziehungslandschaft

Die Initiierung von Bewegung als Symbol geistiger Beweglichkeit ist ein wichtiges Eingangsritual von Psychodramatikern. In Anlehnung an Gellert (1993) luden wir die Teilnehmer zunächst zu einer meditativen Wanderung durch ihre Beziehungslandschaft ein.

Einführung: "Wir bitten Sie, sich zu erheben und eine Weile durch den Raum zu laufen... Und während Sie sich bewegen, stellen Sie sich vor, sie laufen durch eine Landschaft... durch Wiesen, Täler, vielleicht an Flüssen entlang oder durch einen Sumpf auf schwankendem Boden, über weiches Moos oder harte Steine. Diese Landschaft hier ist eine besondere Landschaft: es ist die Landschaft Ihrer Beziehung, die langsam vor Ihrem inneren Auge auftauchen wird... Schauen Sie in sich hinein, wie die Landschaft in Ihnen auftaucht und spüren Sie, wie Sie sich bewegen." Das innere Bild diente als visuelles Symbol für das Erleben der Beziehung. Die Paare sollten Kontakt mit ihren oft unterschiedlichen unbewussten Phantasien suchen. Gleichzeitig erlebten sie anhand ihrer Bilder in welcher inneren Position und Problematik sie sich innerhalb ihrer Beziehungslandschaft befanden.

Die Gruppenteilnehmer ließen sich mit großer Ernsthaftigkeit auf diese Übung ein. In der nachfolgenden Runde wurden weite fruchtbare Täler, die langsam verdorren könnten, Wüsten ohne erquickende Oasen, Gebirge, Sümpfe und weite, dürre Ebenen geschildert. Atmosphärisch tauchten Beziehungsgefahren, Vereinsamungen, unerfüllte Sehnsüchte und immer wieder die emotionale Distanz zum Partner auf. Völlig verlor sich Frau Ws. in eine Höhle an einer Steilwand. Die Bilder der Partner waren nie identisch, aber die Beschreibungen wiesen auf ein ähnliches Erleben der Partnerproblematik hin.

Diese Übung eignete sich sehr für die Wahrnehmung der Veränderung der inneren Bilder über Beziehungen und der inneren Position in der Beziehung und zu den Beziehungsthemen. Wir wiederholten das meditative Wandern in der Beziehungslandschaft im Verlaufe des Partnerseminars mehrfach, um Veränderungen auch anhand der inneren Bilder sichtbar werden zu lassen.

Begegnung am Fluss des Lebens

Der Gang zum Fluss des Lebens dient der immer wieder notwendigen Lebensrefflektion. Wenn diese in Gegenwart des Partners dargelegt wird, können tiefgreifende Schichten bei beiden Partnern angerührt und in Zwiegesprächen fortgeführt werden.

Vorstellung der Übung: Wir werfen ein Handtuch in die Mitte. "Dies ist der Fluss des Lebens. Er entspringt in einem fernen fernen Land, vielleicht in einer sprudelnden Quelle oder als Rinnsal, kaum sichtbar am Anfang. Langsam wird er breiter und breiter, fließt mal träge vor sich hin, mal schneller, verfängt sich in Windungen und Strudeln, zögert, als könne er sich nicht entscheiden. Manchmal gabeln sich die Wasser, und Teile fließen in tote Arme, versickern irgendwo. Manchmal aber auch fließen sie wieder zusammen, umfließen Inseln, tränken Bäume und Blumen, die am Ufer stehen. In manchen Zeiten vertrocknete der Fluss ganz, aber jetzt fließt er hier vorbei und jeder kann zu seinem Fluss des Lebens pilgern. Man kann sich in ihm tränken oder einfach am Ufer liegen. Aber man kann sich ihm auch anvertrauen, denn der Fluss des Lebens hört zu, und wenn man genau hinhört, gibt er auch Antwort. Wenn es Zeit ist, trägt der Fluss alles mit sich fort. Manches aber verfängt sich aber in tiefhängenden Ästen, zwischen Steinen und am Ufer. Und manches gibt er einfach wieder zurück, als wisse er, daß es noch nicht Zeit ist, loszulassen." Als ich aufschaute, sah ich geschlossene Augen, die Gesichter wirkten entspannter.

Beispiele: Frau Gr. näherte sich skeptisch dem Fluss. Sie hätte schon mehrmals versucht, ihre Erinnerungen, Fehlentscheidungen wegzuwerfen - sie tauchten immer wieder auf. Sie wollte den Anspruch hoher Erwartungen ("Ich muss sehr gut sein") loswerden und warf ihn in den Fluss. Sie schaute zu, wie dieser Satz mit dem Wasser davon trieb und sich in einer Flussbiegung verfing. Als sie in den Fluss schaute, tauchte kurz der Satz in ihr auf: "Ich mache es so gut ich kann." Sie wirkte etwas erleichtert, schaute aber noch einmal in die Biegung des Flusses. "Hoffentlich gibt es keinen Rückstrom." "Doch", warnte ich, "manchmal wehen die Winde gegen den Strom." Der neue Satz musste erst verankert werden. Ich bat sie, eine Körperhaltung für diesen neuen Satz auszuprobieren. Sie stellte sich aufrecht hin, ballte die rechte Faust, die linke Hand hält sie offen. "In der rechten Faust spüre ich meine Entschlossenheit, die linke Hand halte ich offen, um loszulassen, wenn es nicht klappt."

Frau W. konnte ihren Koffer noch nicht auspacken. Sie schleppte ihr "Beziehungsbündel", beladen mit Misstrauen, Verletztheit, Erfahrungen ihrer Beziehungen, an den Fluss und stellte es dort ab. Aber die Zeit war noch nicht reif, das Bündel in den Fluss zu werfen. Sie wollte schon gern den Weg der Eigenverantwortung gehen, aber ohne die alte Last. Sie benötigte jemanden, der ihr sagte, was sie tun sollte. Vielleicht verfügte sie über einen verborgenen "inneren Meister" (Dürckheim, 1986, S. 39), Dürckheim schreibt: "Da ist der Meister nicht ein Mensch, der dem Schüler draußen begegnet, sondern eine Instanz in ihm und für ihn. Wir alle sind es selbst, sind Schüler und Meister in uns, sind es aus der Not und Kraft unseres Wesens, das in uns zu einer Selbstverwirklichung in einer Weltgestalt drängt." Ich erzählte ihr, daß es in manchen Flüssen einen Flussgeist gibt, eine Nixe, einen weisen Mann, der die verborgenen richtigen Zeiten kennt. Wenn sie wolle, könne sie in den Fluss schauen, ob sich ihr Flussgeist zeigen wolle. Sie schaute hinein. Ich schlug einen Rollentausch vor. Es gab wirklich einen Flussgeist, der aber stand weiter ab und schüttelte nur den Kopf. "Nein, jetzt ist noch nicht die Zeit alles abzuwerfen, aber sie könne wiederkommen und fragen." Sie kehrte in ihre eigene Rolle zurück. "Aber darf ich das Bündel am Fluss liegen lassen?" fragte sie. Der Flussgeist (erneuter Rollentausch) nickte.

Herr Gy. schritt ruhig zum Fluss. Er wollte die Anforderungen und Ansprüche des Vaters in den Fluss werfen. Doch das erwies sich als schwierig. Zusammen hockten wir nebeneinander am Fluss und schwiegen. Plötzlich fühlte ich eine tiefe innere Verbundenheit zu diesem Menschen neben mir und für einen langen Moment schien es ohne jede Bedeutung, daß es sich um ein Rollenspiel in einem Partnerseminar handelt. Die Rollen bestanden weiterhin und gleichzeitig waren sie wie die Zeit aufgehoben. Der Blick zwischen uns war wie ein tastendes Erkennen. Für einen Moment dachte ich, wir seien einander seit Zeiten vertraut, eine uralte Kraft, ein Wissen und Akzeptanz der Dinge wie sie sind, eingebunden in die Rhythmen des Lebens. Und wie selbstverständlich warfen wir gemeinsam seinen Vatersatz, ein kritisches "Ich würde das anders machen" ins Wasser. Die Zeit des Vaters war vorbei, kein Trotz, kein Kampf. Ein ruhiges "Ich werde es schon richtig machen" beendete die kurze Begegnung.

(Bei den o.g. Darstellungen soll auf ausgewählte typische Themen hingewiesen werden. Alle Namen wurden verändert)


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