| Szenen |
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Einführung: "Wir bitten Sie, sich zu erheben und eine Weile durch den Raum zu laufen... Und während Sie sich bewegen, stellen Sie sich vor, sie laufen durch eine Landschaft... durch Wiesen, Täler, vielleicht an Flüssen entlang oder durch einen Sumpf auf schwankendem Boden, über weiches Moos oder harte Steine. Diese Landschaft hier ist eine besondere Landschaft: es ist die Landschaft Ihrer Beziehung, die langsam vor Ihrem inneren Auge auftauchen wird... Schauen Sie in sich hinein, wie die Landschaft in Ihnen auftaucht und spüren Sie, wie Sie sich bewegen." Das innere Bild diente als visuelles Symbol für das Erleben der Beziehung. Die Paare sollten Kontakt mit ihren oft unterschiedlichen unbewussten Phantasien suchen. Gleichzeitig erlebten sie anhand ihrer Bilder in welcher inneren Position und Problematik sie sich innerhalb ihrer Beziehungslandschaft befanden.
Die Gruppenteilnehmer ließen sich mit großer Ernsthaftigkeit auf diese Übung ein. In der nachfolgenden Runde wurden weite fruchtbare Täler, die langsam verdorren könnten, Wüsten ohne erquickende Oasen, Gebirge, Sümpfe und weite, dürre Ebenen geschildert. Atmosphärisch tauchten Beziehungsgefahren, Vereinsamungen, unerfüllte Sehnsüchte und immer wieder die emotionale Distanz zum Partner auf. Völlig verlor sich Frau Ws. in eine Höhle an einer Steilwand. Die Bilder der Partner waren nie identisch, aber die Beschreibungen wiesen auf ein ähnliches Erleben der Partnerproblematik hin.
Diese Übung eignete sich sehr für die Wahrnehmung der Veränderung der inneren
Bilder über Beziehungen und der inneren Position in der Beziehung und zu den
Beziehungsthemen. Wir wiederholten das meditative Wandern in der
Beziehungslandschaft im Verlaufe des Partnerseminars mehrfach, um
Veränderungen auch anhand der inneren Bilder sichtbar werden zu lassen.
Vorstellung der Übung: Wir werfen ein Handtuch in die Mitte. "Dies ist der
Fluss des Lebens. Er entspringt in einem fernen fernen Land, vielleicht in
einer sprudelnden Quelle oder als Rinnsal, kaum sichtbar am Anfang. Langsam
wird er breiter und breiter, fließt mal träge vor sich hin, mal schneller,
verfängt sich in Windungen und Strudeln, zögert, als könne er sich nicht
entscheiden. Manchmal gabeln sich die Wasser, und Teile fließen in tote Arme,
versickern irgendwo. Manchmal aber auch fließen sie wieder zusammen, umfließen
Inseln, tränken Bäume und Blumen, die am Ufer stehen. In manchen Zeiten
vertrocknete der Fluss ganz, aber jetzt fließt er hier vorbei und jeder kann
zu seinem Fluss des Lebens pilgern. Man kann sich in ihm tränken oder einfach
am Ufer liegen. Aber man kann sich ihm auch anvertrauen, denn der Fluss des
Lebens hört zu, und wenn man genau hinhört, gibt er auch Antwort. Wenn es Zeit
ist, trägt der Fluss alles mit sich fort. Manches aber verfängt sich aber in
tiefhängenden Ästen, zwischen Steinen und am Ufer. Und manches gibt er einfach
wieder zurück, als wisse er, daß es noch nicht Zeit ist, loszulassen." Als
ich aufschaute, sah ich geschlossene Augen, die Gesichter wirkten entspannter.
Beispiele: Frau Gr. näherte sich skeptisch dem Fluss. Sie hätte schon mehrmals
versucht, ihre Erinnerungen, Fehlentscheidungen wegzuwerfen - sie tauchten
immer wieder auf. Sie wollte den Anspruch hoher Erwartungen ("Ich muss sehr
gut sein") loswerden und warf ihn in den Fluss. Sie schaute zu, wie dieser
Satz mit dem Wasser davon trieb und sich in einer Flussbiegung verfing. Als
sie in den Fluss schaute, tauchte kurz der Satz in ihr auf: "Ich mache es so
gut ich kann." Sie wirkte etwas erleichtert, schaute aber noch einmal in die
Biegung des Flusses. "Hoffentlich gibt es keinen Rückstrom." "Doch", warnte
ich, "manchmal wehen die Winde gegen den Strom." Der neue Satz musste erst
verankert werden. Ich bat sie, eine Körperhaltung für diesen neuen Satz
auszuprobieren. Sie stellte sich aufrecht hin, ballte die rechte Faust, die
linke Hand hält sie offen. "In der rechten Faust spüre ich meine
Entschlossenheit, die linke Hand halte ich offen, um loszulassen, wenn es
nicht klappt."
Frau W. konnte ihren Koffer noch nicht auspacken. Sie schleppte ihr
"Beziehungsbündel", beladen mit Misstrauen, Verletztheit, Erfahrungen ihrer
Beziehungen, an den Fluss und stellte es dort ab. Aber die Zeit war noch nicht
reif, das Bündel in den Fluss zu werfen. Sie wollte schon gern den Weg der
Eigenverantwortung gehen, aber ohne die alte Last. Sie benötigte jemanden, der
ihr sagte, was sie tun sollte. Vielleicht verfügte sie über einen verborgenen
"inneren Meister" (Dürckheim, 1986, S. 39), Dürckheim schreibt: "Da ist der
Meister nicht ein Mensch, der dem Schüler draußen begegnet, sondern eine
Instanz in ihm und für ihn. Wir alle sind es selbst, sind Schüler und Meister
in uns, sind es aus der Not und Kraft unseres Wesens, das in uns zu einer
Selbstverwirklichung in einer Weltgestalt drängt." Ich erzählte ihr, daß es in
manchen Flüssen einen Flussgeist gibt, eine Nixe, einen weisen Mann, der die
verborgenen richtigen Zeiten kennt. Wenn sie wolle, könne sie in den Fluss
schauen, ob sich ihr Flussgeist zeigen wolle. Sie schaute hinein. Ich schlug
einen Rollentausch vor. Es gab wirklich einen Flussgeist, der aber stand
weiter ab und schüttelte nur den Kopf. "Nein, jetzt ist noch nicht die Zeit
alles abzuwerfen, aber sie könne wiederkommen und fragen." Sie kehrte in ihre
eigene Rolle zurück. "Aber darf ich das Bündel am Fluss liegen lassen?" fragte
sie. Der Flussgeist (erneuter Rollentausch) nickte.
Herr Gy. schritt ruhig zum Fluss. Er wollte die Anforderungen und Ansprüche
des Vaters in den Fluss werfen. Doch das erwies sich als schwierig. Zusammen
hockten wir nebeneinander am Fluss und schwiegen. Plötzlich fühlte ich eine
tiefe innere Verbundenheit zu diesem Menschen neben mir und für einen langen
Moment schien es ohne jede Bedeutung, daß es sich um ein Rollenspiel in einem
Partnerseminar handelt. Die Rollen bestanden weiterhin und gleichzeitig waren
sie wie die Zeit aufgehoben. Der Blick zwischen uns war wie ein tastendes
Erkennen. Für einen Moment dachte ich, wir seien einander seit Zeiten
vertraut, eine uralte Kraft, ein Wissen und Akzeptanz der Dinge wie sie sind,
eingebunden in die Rhythmen des Lebens. Und wie selbstverständlich warfen wir
gemeinsam seinen Vatersatz, ein kritisches "Ich würde das anders machen" ins
Wasser. Die Zeit des Vaters war vorbei, kein Trotz, kein Kampf. Ein ruhiges
"Ich werde es schon richtig machen" beendete die kurze Begegnung.
(Bei den o.g. Darstellungen soll auf ausgewählte typische Themen hingewiesen
werden. Alle Namen wurden verändert)
Begegnung am Fluss des Lebens
Der Gang zum Fluss des Lebens dient der immer wieder notwendigen
Lebensrefflektion. Wenn diese in Gegenwart des Partners dargelegt wird, können
tiefgreifende Schichten bei beiden Partnern angerührt und in Zwiegesprächen
fortgeführt werden.
Wenn Sie weitere interessante theoretische Aspekte, Ideen, Vignetten zum
Psychodrama kennen oder ausprobiert haben, und diskutieren wollen, schreiben Sie mir.