| 3.3. Vorstellung auf der imaginären Theaterbühne | ||
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3.4. Lebensgeschichten
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Zur Anwärmung für den Leser füge ich an dieser Stelle meine eigene Phantasie über die Paare ein. Die folgenden imaginären Szenen (Vignetten) entstanden erst im Verlaufe des Partnerseminars. Mir dienen sie nun als Anwärmung für die Reflexion über die Paargruppe. Dabei blieb ich während des Seminars offen und neugierig für die immer wieder auftauchenden Veränderungen dieser Bilder. Diese Veränderungen wiesen auf einen tatsächlichen Wandel in der Interaktion der Paare und meiner Wahrnehmung der Paare wieder. Auch zum Abschluss dieser Arbeit werde ich imaginäre Szenen zur symbolischen Verdeutlichung von Veränderungen in den Beziehungen aufgreifen und vergleichen.
Partner machen sich immer wieder feste Bilder über die eigenen Möglichkeiten, Fähigkeiten und Grenzen und die des Partners und der Partnerschaft. Dadurch engen sie sich selber in ihrer Kreativität und Lebensgestaltung ein. Tiefgreifende tragfähige Veränderungen müssten daher auch die Ebene der inneren Bilder und Phantasien über sich selber, den Partner und die Partnerschaft umfassen.
Paar für Paar lade ich zu Beginn auf eine imaginäre Theaterbühne ein. In kurzen Bildern stelle ich die Paare, ihre Themen, Verstrickungen und Lösungsversuche vor. Als Alternative hätte sich ein innerer Rollentausch (Stuhlkreis mit leeren Stühlen) mit den neuen Klienten angeboten. Für die Namen habe ich Abkürzungen gewählt, die mich daran erinnern, wer gemeint ist und gleichzeitig den Schutz der Klienten sicherstellen.
Der Vorhang hängt lose herunter. Ein paar Stühle stehen achtlos herum. Die Bühne ist verlassen, der Zuschauerraum leer. Die Schauspieler haben ihre Rollen gegen das karge wirkliche Leben getauscht. Durch die Seitentür hinter der Kulisse mit dem Zauberbrunnen warten einige Klienten und trauen sich erst nicht auf die Bühne. Tuscheln und Lachen. Leises Flüstern. Männer- und Frauenstimmen beginnen mit Geschichten über das wirkliche Leben. Langsam lassen sich Worte unterscheiden und füllen die imaginäre Theaterbühne.
Herr B. läuft mit schnellem Schritt und stolpernd seiner Partnerin Frau S. auf die Bühne nach. Sie hat sich von ihm losgerissen, halb im Fallen versucht er sie festzuhalten. Einen Moment bleibt sie stehen, alleine, hocherhobenen Hauptes und lässt die Blicke der Männer auf sich ruhen. Als sie sich ihm wieder zuwendet, umklammert er sie in Zorn und Angst. In seiner linken Hand hält er ein intellektuelles Redeskript.
Frau Sch. betritt gebückt die Bühne. Sie trägt schwer unter einer Last, verborgen unter einem Tuch. Während der Schrecken über ihr Gesicht huscht, beginnt ihr Mann einen heroischen Kampf mit ihrer Geisterlast. Voller Mut und Hoffnung, ihre Last zu tragen und ihre Angst zu besänftigen, ficht er einen aussichtslosen Kampf mit dem für ihn Unsichtbaren. Er müht sich und er strauchelt. Seinen Blick hat er ganz von sich abgewandt.
Das Ehepaar GY., zwei ruhige Zeitgenossen: in sich gekehrt durchwandern sie die Bühne. Worte plätschern dahin, Alltagsworte: "Schau mal, was ich sehe!" Doch die Augen wandern nach innen, geheim voreinander bleiben ihre reichen Welten. Doch ab und zu werfen sie einen Blick geheimen Wissens und Verstehens einander zu. Sie wandern leicht.
Laute Stimmen schon aus der Garderobe (Frau Wa., Herr Wa.). Schimpf und Streit, die Münder sind laut und die Ohren zugestopft. Sie jonglieren mit den Kränkungen und Verletzungen alter, aneinander vorbeigelebter Zeiten. Alles bleibt konservierte Gegenwart - eine Atmosphäre der Zeitlosigkeit breitet sich um sie aus. Von nichts können sie sich verabschieden, nicht von sich, nicht von dem anderen. Wütend schnaubt er auf.
Frau R. betritt alleine die Bühne. Der Partner bleibt unsichtbar. Zögernd schaut sie sich um, bleibt stehen. Sie zuckt mit den Schultern.
Herr W. schleicht über einen Seiteneingang, die Flasche in der Hand. Er schaut vor einem Spiegel auf die Flasche, stellt sie dann beiseite, nimmt sie wieder auf und trinkt. Drei Schritte entfernt die Frau, allein.
Ein intellektuelles Paar, im Redestreit (Frau O., Herr O.) kommt zu Besuch. Laut im Reden, brechen sie fast zusammen unter einer traurig - schweren Last. Einer stützt den anderen, er greift sich fest ans Herz. Sie schaut sich nach den anderen Frauen auf der Bühne um und sucht. Erneuter Worte Redeschwall. Ein lichterloher leerer Tanz. Er schleift sie von der Bühne. Sie brechen fast zusammen unter einer traurig - schweren Last.
Herr L. tritt auf mit Schlingen um den Leib. Ein Band umfesselt jemand hinter ihm. Ein junges Mädchen folgt ihm nach. Sie wagt kaum den Kopf zu heben. Dann tanzt sie ein paar Schritte, langsam, dann mit Spaß, erhebt sie suchend Kopf und Leib und wirft die Fessel ab. Dann lacht sie freudig in die Welt hinein.
Herr Alm. zeigt sich ganz steif mit einer blassen Maske vorm Gesicht. Im Reden karg verblasst er mehr und mehr. Vor ihm steht Frau D. und fordert ihn heraus. Er schweigt. Sie wendet sich sich selber zu und begibt sich auf die Wanderschaft
Verspätet taucht Frau Gr. auf, meldet sich Herr E. Bei ihrer Suche nach der Lust vertrösten wir auf später, wenn die Zeit und auch die Gruppe reift.
Langsam verschwinden sie wieder und überlassen die Theaterbühne der Stille.