| 5.2.2. Paarthemen: Streit, Ängste, Sexualität | ||
| 5.2.3. Abschlußtechniken
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Bei der Planung des Partnerseminars sammelten wir eine Reihe möglicher Paarthemen, die in dem Partnerseminar angesprochen werden könnten (vergl. 3.1.). Die Entscheidung für die tatsächliche Bearbeitung der Themen wurde von den einzelnen Gruppenteilnehmern oder den Paaren getroffen. Die Art der Bearbeitung hing dabei von mehren Fragen ab wie z.B.: handelte es sich um ein persönliches Thema eines Partners oder um ein Paarproblem? Welche Auswirkungen hatte das persönliche Problem auf die Partnerschaft? Waren beide Partner gleich stark oder unterschiedlich in das Problem verstrickt? Wie waren die Lösungsressourcen beim Paar verteilt? Die Klärung dieser Fragen übernahmen die Paare in kurzen Zwiegesprächen vor der Gruppe. Teilweise saßen die Paare während des Gesprächs in der Großgruppe, teilweise befanden sie sich schon auf der Bühne. Exemplarisch möchte ich anhand einiger ausgewählter Themen (Streit, Ängste, Sexualität) darstellen, wie wir erfolgreich mit den Paaren, den Individuen und der Gruppe arbeiteten.
Streit: Intensive und emotionale Auseinandersetzungen kennzeichnen viele Beziehungen. Besonders chronische Streitformen können sehr verletzend und destruktiv ausgetragen werden. Oft sind Paare dabei in komplementären sich gegenseitig eskalierenden Rollen verfangen. Es fehlt eine faire Streitkultur. Bei der Bearbeitung von Streitformen in und vor der Gruppe ging es uns zunächst einmal wieder um den Schutz des Paares: niemand sollte wegen seiner Streitformen vor und von der Gruppe beschämt werden. In einer etwas neutraleren Form forderten wir die Paare, die sich mit dem Thema beschäftigen wollten, auf, in einem kurzen Rollenspiel die von ihnen üblicherweise benutzen typischen Streitformen darzustellen. Das zuschauende Publikum baten wir darauf zu achten, welch unterschiedliche Streitkulturen Paare entwickelten.
In einem Rollenspiel mit dem eigenen Partner stellten die Paare typische Streitthemen und -streitarten vor. Die Aufforderung, öffentlich zu streiten, wirkte in einigen Fällen zunächst paradox hemmend, förderte dann aber die Bewusstheit für die Streitmanöver und -sequenzen. In der Zwischenbesprechung teilten die Paare einander vor der Gruppe mit, wie sie sich und einander erlebten und wieso die Partner ihr Rollenverhalten anwandten ("Ich habe Dich unterbrochen, um Dir zu zeigen, daß ich Dich verstand, und habe nicht gemerkt, daß ich Dich dadurch noch mehr in Rage brachte"). Durch diese Reflexion wurde wiederum eine Distanz zum eigenen Erleben geschaffen. Bei der nächsten Wiederholung der Szene wurden die Rollen getauscht. Der Rollentausch förderte das innere Verständnis für den Partner und seine Wahrnehmung der Situation (Perspektivwechsel). Diese emotionale und kognitive Erkenntnis beeinflusste ihrerseits wieder nach einem erneuten Rollentausch (ursprüngliche Rollenverteilung) die Art des Streites. Im anschließenden Rollenfeedback äußerten einige Partner die hinter dem Ärger und der Wut stehenden Ängste. Diese konnten dann im Sharing von der Gruppe aufgegriffen werden.
Als Alternativen ließen sich weitere Distanzierungen, die wir in dieser Form aber nicht in diesem Partnerseminar, sondern in einer anderen Gruppe verwandten, durch die Spiegeltechnik (Petzold, 1978, S. 150) erreichen. Die Distanzierung kann dazu beitragen, die durch Verstrickungen und Verklammerungen getrübte Wahrnehmung und Differenzierungsfähigkeit wieder herzustellen. Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Nach einem rasch eskalierten Streit geht einer der Partner von der Bühne und wird durch ein anderes Gruppenmitglied (Hilfs - Ich) ersetzt. In einem Selbstgespräch (Dialog zur Seite) kann er dann aus der distanzierten Sicht über sich selber nachdenken. Aus Paritätsgründen kann man die streitenden Partner nacheinander von der Bühne holen und sich die Szene anschauen lassen. In einigen Fällen kann es auch angemessen sein, beide Partner gemeinsam von der Bühne zu holen und den Streit von zwei anderen Gruppenmitgliedern vorspielen zu lassen. Diese sollten dann allerdings nicht selber in einem Streit verfangen sein.
Die Inszenierung von Streiteskalation ist eine paradoxe psychodramatische Intervention. Sie setzt viel Vertrauen in der Gruppe voraus und Verständnis für Humor. Die Eskalation könnte von dem Streitpaar selber gespielt werden. Wichtig wäre dabei, daß die Leiter klare Instruktionen für die Art der Eskalation geben oder mit dem Paar vor dem Rollenspiel Eskalationsstufen herausarbeitet (Mandel & Mandel, 1978, S. 162) und daß zur Sicherung ein Gruppenmitglied die Verantwortung für die Verhinderung der Eskalation übernimmt oder als Hilfs - Ich einen der Partner, der diese Verantwortung selber übernehmen möchte, unterstützt.
In einer anderen Variante könnte in einem spielerischen Wettbewerb die schlimmste Streitform ermittelt werden. Diese können von einigen Paaren nacheinander in verschiedenen Rollenspielen dargestellt werden, oder bei einer festgelegten Szene wechseln die Protagonisten in schneller Reihenfolge.
In unserem Partnerseminar wurde ein chronisch eskalierter Streit eines Paares direkt in die Gruppe hineingetragen und zwischen einem männlichen Teilnehmer und den Frauen in der Gruppe stellvertretend ausgetragen (Herr Wa., vergl. 4.7.). In diesem Fall beließen wir es bei der direkten Auseinandersetzung, bei der die Gruppe Frau Wa. unterstützte und modellhaft zeigte, daß sie sich nicht auf diesen destruktiven Streit einlassen brauchte.
Bei den o.g. Überlegungen bin ich davon ausgegangen, daß der Fokus der Genese des Streites beim Paar liegt. In Fällen von Wahrnehmungseinschränkungen aufgrund von Übertragungen wäre eher eine traditionelle Protagonistenarbeit über die Herkunftsfamilie angemessen.
Ängste: Mandel & Mandel (1978, S. 140 ff) verweisen auf eine Vielzahl von Ängsten, die eine offene Kommunikation in der Partnerschaft verhindern, aber auch als gemeinsame Ängste Partner sehr eng aneinander binden können. Diese Ängste (z.B. "Angst, sich schwach zu zeigen; Angst, den anderen bzw. das Gefühl des Einsseins mit ihm zu verlieren"; "Angst, sich zu nahe mit dem anderen einzulassen und eine starke Gefühlsbeziehung zu ihm zu entwickeln"; "Angst vor Eigenverantwortung für sich und die Partnerschaft") schränken die persönliche Freiheit und das Wachstums- und Entwicklungspotential der Partner ein. In unserer Gruppe manifestierten sie sich z.B. bei einzelnen Gruppenteilnehmern als Panikattacken, als Ängste vor dem Alleinsein, als Angst vor dem Erwachsenwerden, als erinnerte Ängste der Töchter vor der Gewalt der Väter, als Angst vor der Offenbarung schlimmer Erlebnisse der Kindheit, als Angst vor Tod und Sterben; bei den Paaren als Ängste vor einer möglichen Trennung der Paare und als Angst vor der Psychose des Partners ; in der Gruppe als Ängste vor dem Auseinanderfallen der Gruppe, als Angst von der Gruppe ausgelacht und verstoßen zu werden, und bei den Männern als Angst vor den Freiheitswünschen der Frauen, bzw. den Frauen als Angst, von den Männern bevormundet und eingeengt zu werden.
In dem Partnerseminar konnten die Gruppenteilnehmer ihre Ängste äußern, therapeutisch konnten wir auf die Ängste aber nur im Zusammenhang mit den Auswirkungen auf die Partnerschaft eingehen. So boten wir z.B. Frau Sch. an, ihre immer wieder plötzlich und massiv auftauchenden Ängste jederzeit in der Gruppe offen anzusprechen anstelle diese zu verheimlichen . Auf eine psychodramatische Darstellung ihrer Ängste (in Form von Doppeln) verzichteten wir und verwiesen auf ihre Einzeltherapie. In gemeinsamen Paarinterviews und mittels Paarskulpturen (beide hielten einander erstarrt fest) wurde der beide bindende Schutzvertrag (Herr Sch. setzte sich unter Druck, seine Frau vor ihren Ängsten schützen zu müssen) offenbar. Ebenso vorsichtig waren wir bei den Ängsten vor Tod und Sterben. Im Sharing hatten die Teilnehmer Gelegenheit, ihre persönlichen Erfahrungen einander freiwillig mitzuteilen. Frau S. z.B. schwieg aus Selbstschutz: sie hatte vor einigen Jahren bei einem Hausbrand beide Kinder verloren und hatte diese Erfahrung in sich verschlossen gehalten. In einem Paarinterview von Herrn Bo. und Frau S. zeigte sich, mit wie viel zärtlicher Innigkeit Herr Bo., der diese Erfahrung aus den raren Erzählungen von Frau S. erahnte, seine Partnerin zu schützen suchte. In einer spontanen Paarskulptur hielten beide einander eng umschlungen.
Als sehr wichtig für die Paare erwies sich die Erkenntnis, daß hinter Wut, Zorn, Streiten usw. persönliche Ängste stehen können und diese von beiden Partnern mitbedacht werden müssen. Dies führte zu intensiven offenen Gesprächen in der Gruppe und Zwiegesprächen der Paare zuhause.
Die erinnerten Erfahrungen väterlicher Gewalt lösten ihrerseits wieder Ängste während der Gruppe aus. Frau L. setzte sich vielleicht stellvertretend für andere Frauen intensiv mit ihrer Rolle als "gehorsames kleines Mädchen" auseinander, die sie offensichtlich als Bewältigungsstrategie im Umgang mit ihrem Vater entwickelt hatte. Hier konnten wir auf die vertrauten Techniken der Protagonistenarbeit zurückgreifen (ausführliche Beschreibung siehe Kapitel 4) und sie bei ihrer Suche nach einer anderen Identität begleiten und unterstützen. Ihr in der Gruppe anwesender Partner war dabei direkter Zeuge ihres Suchprozesses. Parallel zu diesen verschiedenen Stadien der Weiterentwicklung seiner Frau setze sich Herr L. damit auseinander, wie er emotional auf diesen Prozess antworten sollte und konnte. Auch wenn es ihm schwer fiel und in ihm Ängste auftauchten, akzeptierte Herr L. letztendlich die Suche nach der Rolle als erwachsene Frau als Chance für die gemeinsame Beziehung (sein Prozess). Für die anderen Paare in der Gruppe war es sehr wichtig mitzuerleben, daß der Weg von der Angst vor Veränderung des Partners hin zum Akzeptieren der Veränderung viel Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit sich selber und dem Partner voraussetzt. So gesehen waren Herr und Frau L. mögliches Modell für die anderen Paare und zeigten, daß Männer die Freiheit der Frauen nicht nur fürchten müssen (Eifersucht der Männer verstanden als Angst der Männer vor der Freiheit der Frauen). Diese Kombination von Protagonistenarbeit, Paartherapie und der Reflexion der Auswirkungen auf die anderen Paare stellt eine spezifische Stärke von Partnerseminaren dar.
Den Trennungsängsten, die nach dem Fernbleiben einiger Männer (4.8.) und den dramatischen Abbrüchen (4.10.) in der Gruppe auftauchten, gaben wir in einem zeitlich begrenzten Sharing der Gruppe Raum. In den ergänzenden Übungen fokussierten wir partnerschaftliche Ressourcen und ließen die Teilnehmer unter der Berücksichtigung ihrer ernstzunehmenden Ängste gemeinsame Lösungen und Zielvorstellungen auf der Basis ihrer Ressourcen als Paar entwickeln. In einer entlastenden Phantasiereise konnten die Teilnehmer ihre Ängste zeitweilig versenken und sich eine "innere leichte Seite als Beistand für schlechtere Zeiten" suchen (4.8.). Hieran schlossen sich weitere Übungen an, die den Kontakt zwischen den Partnern förderten.
Einige Wochen später (4.10.) kombinierten wir ein Abschiedsritual zur inneren Entlassung der verschwundenen Gruppenteilnehmer und zu Entlastung der zurückgebliebenen Seminarteilnehmer mit Zukunftsprojektionen. In diesen entwarfen die Paare gemeinsame Visionen über die lebbaren Entwicklungschancen ihre Beziehung.
Nach der Sommerpause (4.14.) tauchten die Ängste um die weggebliebenen Gruppenteilnehmer, die eigene Partnerschaft und die Gruppe wieder auf. In einem spontanen Bewegungsbild (Kreis) als Beendigung der Anwärmübung "Wandern durch den Raum" zeigte die Gruppe ihren Zusammenhalt und den Raum, den die Teilnehmer einander respektvoll gewährten. Nach dieser gegenseitigen Unterstützung (Blitzlicht: "Wie fühle ich mich hier und heute in der Gruppe?" und Sharing: "Welche Ängste um Partnerschaft trage ich in mir?") waren die Gruppenteilnehmer bereit, sich beim "Meditativen Wandern durch die Beziehungslandschaft" ihre Partnerschaft differenziert (tragende und gefährdende Momente) anzuschauen.
Die Schilderung der eigenen Ängste (auch vor dem in der Gruppe anwesenden Partner) verbunden mit einem Sharing der Gruppe, Entlastungen und ressourcenorientierten Übungen für das Paar erwies sich als günstige Kombination für das thematisch und zeitlich begrenzte Seminar.
Sexualität: Eine für beide Partner befriedigende Sexualität stellt eine wesentliche Grundvoraussetzung für eine gute Beziehung dar. Hierzu gehört aber auch die Fähigkeit, mit dem Partner über die persönlichen sexuellen und erotischen Wünsche, Vorlieben, Abneigungen und Grenzen sprechen zu können. Zum Schutz der Intimität der Paare beschlossen wir, uns sehr langsam an das Thema heranzutasten und auf die Bereitschaft der Gruppe, das Thema Sexualität zu akzeptieren, zu achten. Sprachlich verwendeten wir Begriffe wie Intimität in der Beziehung, Erotik, Zärtlichkeit und Sexualität und überließen es den einzelnen Seminarteilnehmern und Paaren, über welche Aspekte sie vor und in der Gruppe sprechen wollten. Bei der Wahl der Techniken achteten wir eine behutsame Balance zwischen der Ermutigung, sich auf das Thema einzulassen und der Achtung und Wahrung persönlicher Grenzen.
Gerade beim Thema Sexualität zeigte die Gruppe ihre eigene Struktur und ein feines Gefühl für den richtigen Augenblick. Frau Gr. und Herr E. meldeten sich sehr schnell (4.7.) als Protagonisten für das Thema Sexualität. Die Anmeldungen wurden in regelmäßigen Abständen vorgetragen. Aber erst nachdem sich die Gruppe mit Streit (4.7.), Ängsten (4.11.), Tod, Trauer (4.17.) und der Zusammengehörigkeit der Gruppe (4.18.) beschäftigt hatte, entwickelte sie das notwendige Vertrauen und ließ sich über mehrere Sitzungen hinweg auf das Thema "Sexualität" ein.
Als Einstieg in das Thema (4.19.) schlugen wir der Gruppe eine Paarübung zu "Nähe und Distanz in Beziehungen" vor. Damit signalisierten wir der Gruppe unsere Grundhaltung, daß Sexualität kein spezielles Thema der Protagonisten (Frau Gr., Herr E.), sondern im Kontext ein Paar- und Gruppenthema sei und sich in die bisher erarbeiteten Paarthemen einbetten ließ. Alle Gruppenteilnehmer reflektierten mit Hilfe von vertrauten Paarskulpturen und Vignetten, Rollentausch, Rollenfeedback und gemeinsamen Gesprächen die Bedingungen von Nähe und Distanz in ihren Beziehungen und ihre persönlichen Entwicklungen. So versicherten z.B. Frau GY. und Herr GY., daß "Nähe zwischen ihnen nur möglich sei, weil sie gelernt hätten, einander eigenen Raum und Freiheit zu lassen". Als sehr wichtig erwiesen sich die geschlechtsspezifischen Kleingruppen, in denen ein sehr offenes und vertrauensvolles Sharing über die eigenen Stärken, Schwächen und das eigene Rollenverhalten möglich wurde.
In einer Variante eines indischen Märchens griffen wir die Idee der inneren Kraft, Stärke, Selbstachtung und Wertschätzung als Ressourcen und Inhalte einer verborgenen königlichen Rolle auf. Märchen bieten die Möglichkeit der freiwilligen Identifikation mit dem Thema oder einzelnen Personen, belassen den Zuhörern zugleich eine größere Distanz als direkte psychodramatische und andere psychotherapeutischen Vorgehensweisen und helfen neue Sinnebenen zu entfalten. Es bereitete uns Spaß Geschichten über die Fährnisse des Lebens und der Seele zu erzählen, Ideen zu sähen und dem tiefen Wunsch nach Wachstum zu vertrauen (Kopp, 1987, S. 8).
In einer eher kognitiv orientierten Übung schrieben die Seminarteilnehmer ihre positiven Erfahrungen mit Zärtlichkeit, Erotik und Sexualität auf einer Wandtafel nieder. Die Auswahl spiegelte sowohl die persönlichen Hoffnungen und Sehnsüchte der Teilnehmer wieder, wies aber auch durch das Verschwiegene auf die mit Sexualität verbundenen Tabus und Ängste hin. Interessant war der Rhythmus der Gruppe. Nach der Aufforderung, ihr damaliges Erleben in Stichworten aufzuschreiben, wallte die Gruppe in einer wellenartigen Bewegung auf und erstarrte dann. Es bedurfte des fragenden Hinweises der Leiter auf die anderen Seiten von Sexualität (Erlaubnis), damit Teilnehmer aus ihrer Reglosigkeit heraustraten und wieder in einer erneuten wellenartigen Bewegung der Gruppe die schmerzhaften Seiten benannten. Gerade aufgrund dieser engen Verbindung zwischen "Stoffsammlung" und dem emotionalen Befinden, das sich in diesem "Wellenrhythmus" widerspiegelte, war diese Übung so wertvoll.
Die Verwendung gemalter Bilder bot die Möglichkeit, sich auf einer symbolischen Ebene mit Sexualität auseinander zusetzen. Die Besprechung ließ jedem die Freiheit zu einer individuell bestimmten Selbstoffenbarung und zur Wahrung der persönlichen Grenzen. Wir griffen mit viel Spaß die von den Teilnehmern verwandten sprachlichen Bilder, Metaphern und Symbole der Teilnehmer auf und versuchten, mit der Gruppe neue Sichtweisen und Lösungswege zu benennen. In kurzen Vignetten konnten die Teilnehmer ihre Bilder dramatisch veranschaulichen.
Die Konfrontation mit inneren Bildern kann aber auch traumatische Erlebnisse aktualisieren und einen mühsam aufgerichteten Schutzwall gefährden. Frau S. z.B. wurde durch ihr Feuerbild nicht nur an ihren Wunsch, ihre Sexualität "feuriger" leben zu wollen, erinnert, sondern auch an den Tod ihrer Kinder: sie zog sich verstummend zurück.
In den nachfolgenden geschlechtsspezifischen Kleingruppen wurde das Thema Sexualität als ein für alle wichtiges Thema angesprochen. Die Seminarteilnehmer bestätigten und unterstützten einander. Die Atmosphäre wurde immer offener und herzlicher. Und so zeigte sich Frau S. von einer für alle unerwarteten und neuen Seite: sie verlor ihre von einer interaktiven Rollenerwartung geprägte Rückzugshaltung und ihren unterschwelligen Zorn und zeigte sich von einer starken Seite, einer von ihren durchlittenen Erfahrungen getragenen persönlichen Kompetenz und als sprachlich schlagfertig (Offenbarung verborgener Rollen oder kreative Erweiterung ihres Rollenrepertoires?). So gesehen übernahm die Gruppe die Aufgabe einen aufgebrochenen unvollendeten Prozess zu einer guten Auflösung zu verhelfen (Gruppentherapie).
Den Abschluss bildete eine ausführliches Psychodrama mit dem Protagonistenpaar (s.a. 4.22.). Dabei kombinierten wir paarspezifische Sequenzen mit kürzeren Vignetten für die einzelnen Partner, und zwar eine soziometrische Übung zur Nähe - Distanz (Paar), zwei Vignetten über die Vorstellungen männlicher und weiblicher Sexualität (Partner), ein längerer Dialog des Paares im Rollentausch (Paar), eine Vignette zur Verabschiedung einschränkender Tabus (Einstellungsänderung) zur eigenen Sexualität als Frau (Frau Gr.). Hieraus entwickelte Frau Gr. sehr spontan eine sehr persönliche Vision ihrer Sexualität, in der sie ihre Sehnsüchte und Wünsche (Zielvorstellungen) wahrnehmen und akzeptieren konnte.
In einer Gesprächsrunde der Großgruppe tauschten die Seminarteilnehmer ihre Wünsche nach einer liebevolleren Erotik in ihrer Partnerschaft aus (Sharing) und integrierten so die Protagonisten wieder in die Gesamtgruppe.
Die hier beschriebenen Techniken stellen meiner Erfahrung nach eine gute Möglichkeit dar, Sprache, Bilder und Spiel sinnvoll, zielgerichtet und kreativ zu kombinieren und gleichzeitig die Fähigkeiten und therapeutischen Ressourcen der Gruppe in den Prozess mit einzubeziehen.
Weitere Themen und Techniken (Werteskulptur, "Blume der Lust", Botschaften über Sexualität) beschreiben Limmer & Nowak (1993, S. 102 ff) und Richter & Gründler (1992, S. 42 ff).