Der Schlossschatz der Schenkenburg 

Längst war die Schenkenburg in Schutt und Asche gesunken. Wo ehedem frohes Ritterleben herrschte, breitete sich zwischen Ginster und Heidekraut ein mageres Weideland aus. Einst hüteten zwei Schenkenzeller Bauern auf dem Schlossberg ihr Vieh. Der eine, der ein Sonntagskind war, sah plötzlich einen alten, weißhaarigen Mann auf sich zukommen, der ihn aufforderte, mit ihm in die Burgruine zu gehen. Dort führte der Alte, welcher der Burggeist der Schenkenburg war, den Bauern vor eine schwere, eiserne Türe, welche dieser, obwohl er hier sehr ortskundig war, zuvor noch nie gesehen hatte. Mit einem großen Schlüssel öffnete der Geist die Türe, und sie standen am Anfang eines langen, gewölbten Ganges. Durch diesen gelangten sie zu einer zweiten Türe, die ebenfalls geöffnet wurde. Sie kamen jetzt in einen gewölbten Raum, in dem neben allerlei altem Geräte auch eine alte Kiste stand. Der Alte hieß den Bauern den Deckel der truhenartigen Kiste zurückschlagen. Vor den Augen des erstaunten Mannes zeigte sich die Truhe fast bis zum Rande mit alten Goldmünzen gefüllt. Der Geist forderte nun den Bauern auf, er möchte von dem Gelde soviel mitnehmen, als er wolle. In falscher Bescheidenheit suchte er aber nur einige schöne Stücke heraus, damit der Geist nicht meine, er sei habgierig. Dieser erkannte jedoch die Hintergedanken seines Begleiters, denn dieser wollte, da er jetzt doch nicht alles Gold mitnehmen konnte, später wiederkehren und den ganzen Schatz heben. Nachdem der Bauer erklärt hatte, nun genügend Reichtum zu besitzen, gingen sie auf dem gleichen Wege wieder ins Freie zurück. Sorgfältig wurden die Türen verschlossen, und sogleich war der Geist verschwunden. Zum Schrecken des Bauern war jedoch von der eisernen Türe keine Spur mehr zu sehen, und trotz eifrigem Suchen konnte sie auch nie wieder gefunden werden.