Der Geisterreigen auf dem Hohberg

Südlich des Dorfes Schenkenzell erhebt sich der 540 Meter hohe Hohberg. Seinen Scheitel ziert ein mächtiges Steinkreuz, das im Jahre 1717 der ehemalige Dorfmüller hierher setzen ließ. Der Volksmund nennt es das "Steini Kriz". Bei ihm stoßen zahlreiche Grundstücke zusammen, wie die auf der Sockelplatte eingehauenen Kerben zeigen.


Die zahlreichen Teilhaber am Hohberg nahmen es früher mit der Einhaltung der festgesetzten Grenzen nicht so genau. Feld- und Bodenraub waren an der Tagesordnung. Um den ewigen, dadurch heraufbeschworenen Streitereien ein Ende zu machen, beschlossen sie, in einer Zusammenkunft die Grenzen genau festzulegen. Man kam überein, stellte einen Lageplan auf, und jeder sollte sich durch Eid zur Einhaltung der nunmehr bestimmten Grenzen verpflichten. Alle waren dazu bereit bis auf einen, der verließ verärgert die Versammlung, vergaß aber, seinen Hut mitzunehmen. Der Vertrag unter den Grundstückseigentümern am Hohberg kam aber doch zustande, wurde doch beschworen und wieder nicht gehalten. Zur Strafe für ihren Eidbruch müssen nun alle geistern und führen nächtlicherweise einen Reigen um das "Steini Kriz" auf. Dabei dient ihnen der Hut ihres fehlenden Teilhabers als Spielball, den sie sich gegenseitig, wohl zur Vertreibung der Langeweile, zuwerfen.